Evangelische Stadtmission Heidelberg e.V.

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Samstag, 24.06.2017

Eröffnung der Woche der Diakonie 2017

Bereits zum vierten Mal eröffneten Diakonisches Werk und Stadtmission zusammen die Woche der Diakonie. In diesem Jahr stand das Thema „kultursensible Pflege“ im Mittelpunkt. Es wurde der Film gezeigt: „Kebab oder Schweinefleisch?“. Er hatte 2013 den Diakonie-Journalistenpreis erhalten.

In diesem Film wird gezeigt, wie drei ältere Männer mit Migrationshintergrund, – ein  Grieche, ein Italiener und ein Türke – sich darüber Gedanken machen, wie sie später einmal leben und gepflegt werden wollen, wenn die Kräfte nachlassen. Dazu beschließen sie, verschiedene Einrichtungen der ambulanten und stationären Altenhilfe zu besuchen. Ganz ohne Scheu stellen sie Fragen: Ob es einen Gebetsraum für Muslime gäbe und ob man auf die Essgewohnheiten Rücksicht nähme? Oder, ob es ausländisches Pflegepersonal gäbe, das die Muttersprache der Bewohner mit Migrationshintergrund spreche?  Bei vielem mussten die Einrichtungsleiter passen. Aber, was nicht ist, kann ja noch werden.

Bei der anschließenden Diskussion, moderiert von Pfarrer Matthias Schärr, an der neben Martin Heß vom Diakonischen Werk auch der Heimleiter des Hauses Stephanus, ein Altenpflegeheim der Stadtmission in Dossenheim, Detlef Bodamer, teilnahm, waren wir uns einig: Alle sollen bei uns einen Platz haben und wir wollen so weit wie möglich versuchen, auf die Wünsche der einzelnen Menschen eingehen. Das tun wir ja auch schon jetzt. Denn auch die Bedürfnisse der einheimischen alten Menschen sind sehr unterschiedlich. Und Pflegepersonal mit Migrationshintergrund haben wir bereits jetzt aus vielen Ländern. Beim letzten Weihnachtsfest hat das St. Anna-Heim und Wilhelm-Frommel-Haus mal gezählt. Dort sind es 31 Nationen.  Natürlich muss das Personal in der einen oder anderen Hinsicht geschult werden. Schon vor Jahren gab es im Krankenhaus Salem zum Beispiel eine Fortbildung darüber, wie muslimische Menschen gepflegt werden: Wo sind die Tabuzonen, was spricht man an, was nicht? So wird es auch in der Altenhilfe sein.

Noch gibt es nicht viele Bewohner mit Migrationshintergrund in den Pflegeheimen. Aber das wird sich ändern. Früher gingen „Gastarbeiter“ am Ende des Berufslebens oft in die Heimat zurück, heute sind sie und ihre Familien hier zu Hause und integriert. Und – das konnte man auch in dem Film sehen – es kann durchaus bereichernd sein und Spaß machen, wenn verschiedene Nationen zusammenleben. Auf jeden Fall fanden die deutschen Bewohner es spannend, als die drei Männer für sie kochten. Griechischen Kaffee oder türkische Joghurtsuppe, hatten sie noch nicht gegessen und fanden es interessant. Die Stimmung war jedenfalls gut.
Einig ist man sich in der Diskussionsrunde auch darüber, dass man auch bei Offenheit gegenüber anderen Kulturen die christliche Prägung der Einrichtungen weiter ausgestalten kann.

Auch Diakoniepfarrerin Sigrid Zweygart-Perez unterstrich in ihrer Andacht zu Beginn, dass bei uns alle willkommen sind. Jeder hat das Recht, mit seiner Prägung wahrgenommen zu werden. Sie erinnerte aber auch daran, dass das zusätzliche Herausforderungen für den sowieso herausfordernden Beruf des Altenpflegers mit sich bringen wird. Mitarbeiterpflege und -fortbildung wird also mit dazugehören.

In ihrem Grußwort nahm die neue stellvertretende Leiterin des Diakonischen Werks Baden auf das Motto der diesjährigen Woche der Diakonie unter dem Thema „Geht’s noch?“ Bezug. Einerseits drücken diese Worte die Zumutung aus, dass in Deutschland die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinandergeht. Andererseits sind es auch die seelsorgerlichen Worte der Helfenden die nach dem Befinden der Hilfebedürftigen fragen und Hilfe organisieren. Sie lobte in diesem Zusammenhang die Aktivitäten des Bündnisses gegen Armut und Ausgrenzung in Heidelberg wie auch die Arbeit von Diakonischem Werk, Stadtmission und Caritasverband.

Bürgermeister Wolfgang Erichson schloss sich diesem Dank im Namen der Stadt an. Auch für die Stadt Heidelberg sei die Bekämpfung von Armut und Ausgrenzung eine der zentralen Zielsetzungen. Auch er dankte dafür, dass die kirchlichen Wohlfahrtsverbände hierbei wichtige Verbündete sind. Für alle Anstrengungen, die in diese Richtung gehen, sprach er seine Unterstützung aus.

Wunderbar bereichert wurde die Veranstaltung durch ein Quartett, das dankenswerterweise im Rahmen des Benefizprogramms des SAP-Sinfonieorchesters spielte. Die vier Musikerinnen und Musiker lockerten die Beiträge durch wunderbare klassische Stücke auf.  

Matthias Schärr